Marianne Becker - Feldenkraislehrerin 

www.mariannebecker-feldenkrais.de



Die Feldenkrais-Methode


Die Feldenkrais-Methode regt durch die Schulung der Körperwahrnehmung zu Veränderungsprozessen an, um aufmerksamer mit sich selbst und in seinem Lebensraum zu agieren. Sie ist nach Auffassung ihres Begründers, des israelischen Physikers Dr. Moshé Feldenkrais, eine Methode zum organischen Lernen.

 



Dr. Moshé Feldenkrais in Freiburg 1981 (Copyright: International Feldenkrais Federation Archive)


Hinweis:

Die Feldenkrais-Methode ist keine therapeutische Methode. Sie kann keine erforderliche ärztliche Behandlung oder Therapie (z.B. Physiotherapie, Psychotherapie) ersetzen.

Die Methode findet jedoch mehr und mehr Anwendung in Kliniken als therapiebegleitende und unterstützende Maßnahme.

  

Wer hat die Methode erdacht? Woher bekam sie ihren Namen?

Es war der israelische Naturwissenschaftler Dr. Moshè Feldenkrais (geboren am 6. Mai 1904 in Slawuta, Russisches Kaiserreich; gestorben am 1. Juli 1984 in Tel Aviv, Israel).

Er war Maschinenbau-Ingenieur und Physiker, und damit beruflich mit dem Ablauf und der Erforschung von physikalischen Prozessen vertraut. Schon als Jugendlicher wanderte er nach Israel aus. Zum Studium kam er nach Frankreich, während des Krieges musste er von dort vor den Nazis flüchten und lebte in England. Von dort kehrte er später nach Israel zurück, gab die Tätigkeit als Physiker auf und widmete sich  vollständig der Entwicklung und Anwendung seiner Bewegungsarbeit.

Er war schon als Kind äußerst genau in seinen Beobachtungen. Dazu er besaß Eigenschaften, die ihn immer wieder antrieben, seine Kenntnisse und Fähigkeiten zu erweitern. Eine unstillbare Neugier und die Bereitschaft auch außerhalb seiner beruflichen Bahnen Wissen zu gewinnen.

Moshè Feldenkrais war zu seiner Zeit schon interdisziplinär orientiert und der Überzeugung, das Körper, Geist und Seele eine Einheit bilden. Er beschäftigte sich mit Biomechanik, Neurobiologie und Psychologie. Und er war der Überzeugung, dass wir Lernfähigkeit bis ins hohe Alter besitzen, das unser Gehirn auch dann noch in der Lage ist, neue Bahnen (Synapsen) anzulegen. Erkenntnisse, die in der Medizin erst in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen haben.

Er war leidenschaftlicher Sportler, spielte Fußball, beschäftigte sich mit Selbstverteidigungstechniken und gehörte zu den ersten Inhabern des schwarzen Gürtels im Judo in Europa.

Eine Knieverletzung war der Auslöser, dass er sich mit den eigenen Bewegungsabläufen intensiv beschäftigte. Die Alternative, eine Operation mit ungewissem Ausgang zu riskieren, war keine Option für den leidenschaftlichen Tüftler und Sportler. Er erforschte seine Bewegungsgewohnheiten und Alternativen dazu so lange, bis es ihm möglich war, sein Knie wieder in einer guten Qualität zu benutzen.

Über viele Jahre entwickelte er schließlich die Bewegungsarbeit, die inzwischen weltweit unter dem Begriff „Feldenkrais-Methode“ angewandt wird. 



Anwendung der Feldenkrais-Methode in der Gruppe (Bewusstheit durch Bewegung)

Copyright: Robert Golden

Auf Basis der von Dr. Moshé Feldenkrais entwickelten Gruppenstunden (Lektionen) werden Bewegungssequenzen verbal angeleitet. Die Lektionen werden überwiegend am Boden ausgeführt. Die Arbeit am Boden erleichtert Bewegung und Wahrnehmung, weil Nervensystem und Muskulatur nicht mit der Aufrichtung gegen die Schwerkraft belastet sind.

Copyright: Robert Golden

Die verbale Anleitung der Bewegungsaufgaben, aufbauend von einfachen kleinen Bewegungen hin zu komplexen Bewegungsabläufen führt Sie in einen forschenden, suchenden Prozess innerhalb der Lektion. Auf leichte und spielerische Art ohne jeden Leistungsdruck werden verschiedene, teilweise auch ungewohnte Variationen von Bewegungen ausprobiert.



Copyright: Robert Golden

Die Feldenkrais-Stunden führen uns immer wieder in unsere frühkindliche Bewegungsentwicklung zurück. Diese Zeit, in der uns die Sprache noch nicht zur Verfügung stand, war unsere intensivste Zeit des Bewegungslernens. 


Copyright: Robert Golden

                                      Wir bildeten spielerisch die Fähigkeiten unserer Wirbelsäule aus, sich z. B. zu beugen, zu strecken oder zu neigen, wir lernten zu rollen, zu krabbeln und schließlich zu sitzen und zu laufen. Auf diese intensive Zeit des organischen Lernens greifen wir bei der Feldenkrais-Arbeit zurück.



Wesentliches Merkmal der Feldenkrais-Methode ist die Aufmerksamkeitslenkung durch gezielte Fragestellungen z.B. zur Atmung, zum Krafteinsatz, zu Sinnesempfindungen und Emotionen und dem Wahrnehmen der Unterschiede zwischen den Bewegungsvariationen. Sie schulen Ihre Achtsamkeit, verfeinern Ihre Bewusstheit durch den Bewegungsprozess und erreichen eine grundsätzliche Verbesserung Ihrer Bewegungsqualität und Ihrer Koordinationsfähigkeit, welche Sie in Ihren Alltag übertragen.



Anwendung der Feldenkrais-Methode in der Einzelarbeit (Funktionale Integration)

Copyright: FVD Deutschland

In der Einzelarbeit werden Sie durch den Feldenkrais-Lehrenden sachte und aufmerksam in Bewegung gebracht. Sie selbst bleiben überwiegend passiv, die Bewegung erfolgt durch die Hände des Lehrenden, indem er z.B. langsam Ihre  Schulter in Bewegung bringt und allmählich verschiedenen Bewegungsalternativen der Schulter erforscht, während Sie sich auf das Erspüren dessen, was geschieht, einlassen können.




Umfangreiche Informationen zu den Einsatzmöglichkeiten der Feldenkrais-Methode finden Sie auf der Internetseite des Berufsverbandes der Feldenkraislehrer/innen: www.feldenkrais.de


Mr. Hokuspokus - Das abenteuerliche Leben des Moshe Feldenkrais Teil 1-6, zu finden bei YouTube                                                                                                                         

Ein sehr interessantes und unterhaltsames Radiofeature des WDR von Christian Buckard über das Leben und Wirken von Moshè Feldenkrais, mit Original Tondokumenten, Interviews mit Wegbegleitern.

Das Script der Sendung zum Nachlesen findet man beim Manuskript-Dienst des SWR unter: https://www.swr.de/-/id=7117050/property=download/nid=659934/1vpa01w/swr2-feature-am-sonntag-20110102.pdf